Oranienburger Gepflogenheiten

Oranienburgs SPD-Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann war einer der wenig zugelassenen Ehrengäste zur Eröffnung des Flughafen BER – Willy Brandt am letzten Sonntag. Der erste ankommende Flieger gehörte ebenso zu den Ereignissen, wie die Reden der politisch Verantwortlichen von Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg. Am Abend fühlte sich der Landesvater Dietmar Woidke (SPD) nicht wohl. Er vermutete einen grippalen Effekt. Aber nach dem Abstrich stellte sich heraus – auch er ist jetzt mit dem Coronavirus infiziert worden.

Am Montag lud Oranienburgs SPD-Vorsitzende Marei John-Ohnesorg spontan zu einer Mitgliederversammlung in Form eines Onlinemeetings ein. Natürlich waren die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Coronapandemie und seine Folgen das Hauptthema. Björn Lüttmann, der im Potsdamer Landtag Vorsitzender des Gesundheitsausschusses ist, konnte kompetent die vielen Fragen beantworten. 

Am Dienstag wurde die Präsenzsitzung der SPD-Fraktion im brandenburgischen Landtag spontan abgebrochen und in eine Videokonferenz umgestaltet. Alle SPD-Abgeordneten mussten zur Kontrolle ins Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Krankenhaus, weil der Landesvater an Corona erkrankt ist. Aber schon am Abend erhielt auch Oranienburgs SPD-Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann die Information, dass er nicht infiziert ist.

Matthias Hennig ist ein sehr umtriebiger Mitmensch. Ortsvorsteher in Lehnitz, SPD-Fraktionschef, Mitglied in diversen Vereinen. Und: Blutspender. Seit mehreren Jahren tut er Gutes und redet wenig darüber. Jetzt hat er eine goldene Anerkennungsbrosche und eine Urkunde erhalten. Über 50 Mal spendete er den „Lebenssaft“.

Die grassierende Infektionslage macht auch um Oranienburg keinen Bogen. Nun standen in dieser Woche Ausschüsse und Ortsbeiratssitzungen an. Der Untersuchungsausschuss hat aufgrund seiner relativ geringen Personenzahl in der Orangerie getagt, natürlich mit gebührendem Abstand und regelmäßigem Lüften. Matthias Hennig und Marei John-Ohnesorg waren dabei, Björn Lüttmann musste sich wegen Landtagsterminen entschuldigen. Es wurden die Fragen besprochen, die zur rechtlichen Prüfung vorgesehen sind. Da es dabei in vielen Fällen um Details zu Personen geht, war der erfreulicherweise verfügbare Livestream nur kurz. Am Ende war das einhellige Urteil: eine intensive und konstruktive Sitzung. Die Fragen werden präziser, erste Empfehlungen zeichnen sich ab. Beschlossen werden die Fragen in der nächsten Sitzung am 1. Dezember 2020 bzw. eine Woche später in der Stadtverordnetenversammlung.

Der Sonderbauausschuss wurde kurzerhand abgesagt, weil der Vorsitzende Olaf Bendin (SPD) die allgemeine Infektionsgefahr höher einstufte als eine Präsenzsitzung mit über 20 Personen in der Orangerie. Die Absage führte scheinbar zu einem Wutanfall des CDU-Stadtverordneten Christian Howe, der von einem „ungewöhnlichen Vorgang“ und von „politischen Gepflogenheiten, die man nicht mehr so genau nimmt“ sprach. Ja, wir leben in ungewöhnlichen Zeiten. Aber vielleicht kann ein „dienstälterer Stadtverordneter“ dem jungen Spund mal von Gepflogenheiten berichten, die früher mal galten. Herumpöbeln war es nicht. 

Inzwischen hat es die Stadtverwaltung hinbekommen, dass auch Ausschusssitzungen in Oranienburg im Live-Stream und als Hybridsitzung möglich sind. Obwohl die Forderung der Stadtverordnetenversammlung schon Monate alt ist, wird sie jetzt im Schweinsgalopp umgesetzt. Wieder mal keine Glanzleistung beim Arbeitstempo des Oranienburger Bürgermeisters Alexander Laesicke

Am Dienstag tagte die SPD-Fraktion. Wie bereits im Frühjahr in einer Videoschalte. Da der Fraktionsvorsitzende Matthias Hennig (SPD) gleichzeitig im Oranienburger Untersuchungsausschuss war, bat er seinen langjährigen Vorgänger, Dirk Blettermann, die Sitzung zu leiten. Meike Burchardt, die frühere Stadtverordnete, fungierte gleichzeitig als Protokollantin. Fast so wie in früheren Zeiten, konnte man meinen.

Am Mittwoch wählten die drei Ortsbeiräte aus Malz Michael Richter (SPD) zum neuen Ortsbeiratsvorsitzenden. Die bisherige Chefin in Malz, Sarah Hartmann (Bürgerbewegung Malz) wechselt in die Oranienburger Stadtverwaltung und muss deshalb ihren Platz räumen. Beiden viel Erfolg in ihren neuen Ämtern.  

Liebe Leserinnen und Leser, seit einigen Monaten beenden wir unsere Kolumne immer mit dem Appell, die Abstandregeln und andere Auflagen einzuhalten. Auf Besuche, Reisen und Veranstaltungen sollte verzichtet werden. In diesem Sinne, bleibt gesund!

Euer

Henri von Oranienburg

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