Holocaust Remembrance Day

Vor 76 Jahren, am 27. Januar 1945, befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Dieses markante Datum wurde zum internationalen Gedenktag für die Opfer und Verfolgten des Nationalsozialismus ausgewählt. Dieses Jahr jähren sich zwei traurige Ereignisse zum 80. Mal. 1941 überfielen die Deutschen die Sowjetunion und ermordeten 12.000 sowjetische Kriegsgefangene im Konzentrationslager Sachsenhausen. Die Brandenburger Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Dr. Axel Drecoll und Dr. Astrid Ley erinnern heute in der Gedenkstätte Sachsenhausen den Opfern des Holocaust und insbesondere der Opfer des 80. Jahrestages des Überfalls auf die Sowjetunion und die Ermordung der 12.000 Kriegsgefangenen.

Die Links zur heutigen Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Sachsenhausen mit drei Videos auf YouTube finden Sie hier:

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Januar 2021, Gedenkstätte Sachsenhausen

Axel Drecoll, Gedenkstätte Sachsenhausen, Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 27.1.2021

Ulrike Liedtke, Landtagspräsidentin, Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 27.1.2021

Vor 79 Jahren fand die Wannseekonferenz statt. Die dort verabschiedete „Endlösung der Judenfrage“ führte die Perversion der Shoah auf ihren Höhepunkt. Die unfassbaren Verbrechen der Deutschen endeten in der Ermordung von 6 Millionen Jüdinnen und Juden, der Poraijmos, der bis zu einer Million Sint:ezza und Rom:nja zum Opfer fielen und Tausende hingerichteter politischer Gefangener, Homosexuelle und der in der Euthanasie ermordeten Menschen mit Behinderung.

In unserer Stadt Oranienburg wurde 1933 mit dem KZ Oranienburg das erste KZ Preußens errichtet, 1936 schließlich auch das „KL Sachsenhausen“. Die Deutschen verbrachten 200.000 Menschen in das KZ Sachsenhausen. Mind. 40.000 ermordeten sie, durch Tod durch Arbeit, Erschießungen, Erhängen oder Vergasung in der Station Z. Die Inhaftierten mussten für viele Deutsche Unternehmen Zwangsarbeit leisten. Einige kennen wir heute immer noch: Siemens, Daimler-Benz, AEG, Salamander, UHU oder die Continental-Gummi-Werke. Der Nationalsozialismus ergriff Deutschland nicht von außen. Ohne das Mitwirken der Mehrheitsgesellschaft hätte die Aufrechterhaltung des NS-Regimes und die Durchführung des Holocaust nicht funktioniert. Wir, die deutsche Gesellschaft tragen keine Schuld an dem Holocaust. Aber wir tragen Verantwortung. Verantwortung der Vergangenheit zu erinnern und den brutalen Schrecken nicht zu verschleiern.

Unsere historische Verantwortung endet nicht mit der Befreiung Europas von dem Nationalsozialismus im Jahr 1945. Israel bietet seit der Gründung 1948 allen Verfolgten des Nationalsozialismus einen Schutzraum. Dieser Schutzraum ist fragil und musste vielfach verteidigt werden. Wir als Demokratinnen und Demokraten dürfen nicht zulassen, dass Antisemitismus wieder salonfähig wird. Aktuelle Studien zeigen, dass jede/r vierte Bürger:in zu antisemitischen Denkmustern neigt. Jüdinnen und Juden berichten nahezu täglich in sozialen Medien von antisemitischen Erfahrungen. Antisemitismus war nie dem rechten Rand exklusiv. Wir alle müssen unser Denken reflektieren. „Nie wieder“ darf keine leere Worthülse werden. Die Gefährdung jüdischen Lebens endete nicht 1945.

Antisemitismus ist das Bindeglied zu antidemokratischen und antifreiheitlichen Denkmustern. Antisemitismus korreliert mit Demokratiefeindlichkeit, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Chauvinismus. Neo-Nazis, Graue Wölfe oder die sogenannten Querdenker gefährden täglich die Freiheitliche Demokratische Grundordnung unserer Bundesrepublik. Antisemitische Weltbilder finden sich in all diesen Organisationen. Der parlamentarische Arm des Rechtsextremismus, die sogenannte „Alternative für Deutschland“ hofiert demokratiefeindliche und antisemitische Akteure. Funktionsträger wie B. Höcke nutzen offen antisemitische Narrative in ihren Reden oder Veröffentlichungen.

„Nie wieder“ bedeutet dagegen aufzustehen. Aufzustehen in den Parlamenten, aufzustehen an den Wahlurnen, aufzustehen, wenn in Berlin der Al-Quds Marsch stattfindet, aufzustehen, wenn Jüdinnen und Juden aufgrund von Kippas oder Davidsternketten beleidigt oder angegriffen werden, aufzustehen, wenn Israel antisemitisch kritisiert wird, aufzustehen, wenn Jüdinnen und Juden Opfer von Antisemitismus werden. Wir sind es allen Opfern des Holocaust schuldig, unser eigenes Denken und Handeln zu reflektieren und gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diskriminierung aufzustehen. Lernen wir aus der Vergangenheit und arbeiten wir an einer besseren Zukunft! Politiker:innen, die heute der Shoah gedenken, aber nicht Moria räumen, verhöhnen die Opfer des Holocaust.

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